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Robert McDunhill: Nachlassverwaltung

Robert McDunhill: Nachlassverwaltung

Was in der Welt des Pfeifentabaks undenkbar schien, ist eingetreten: die Tabake mit dem weltweit wohl höchsten Bekanntheitsgrad sind abrupt Geschichte geworden. Selbst unbelehrbare Nostalgiker, für die Tabake von Dunhill bis vor wenigen Monaten immer noch von Sir Alfred ersonnen, handgemischt und von Gentlemen in der St.James Street probiert und erworben werden konnten, stehen vor dem emotionalen AUS. British American Tobacco (BAT), Inhaber der Markenrechte von Nightcap, Early Morning Pipe und Co. hat die Lizenzherstellung durch die Scandinavian Tobacco Group mit sofortiger Wirkung eingestellt. Die Beweggründe sind nicht wirklich erklärbar, liegen im Dunkeln und bieten Anlaß für zahlreiche Verschwörungstheorien. Schliesslich spülten die Tabake nicht unerheblichen Profit in die BAT Kassen (und nur ein geringer verblieb im Vergleich zu anderen Tabaken beim Fachhandel!) Warum aber nun dieser Schritt? Darüber haben wir uns mit Jens Meyer, Geschäftsleiter beim Münchner Branchenurgestein Pfeifen Huber, ausgiebig ausgetauscht. Er bringt ein wenig Licht ins Dunkel.

Pfeifenblog (PB): Herr Meyer, auf der soben beendeten

Intertabac offiziell geworden, liegen nun die ersten Robert McConnell „Dunhills“ in den Regalen. Wie kam es zu dieser doch etwas überraschenden Entwicklung?

Jens Meyer (JM): Scheinbar passt der gemessen an modernen Rauchwelten  wie  den  hippen  e-Zigaretten  altbackener Pfeifentabak  mit  seiner  Suggestion  von  britischem Landedelmann-Understatement nicht mehr so recht in die Wunsch Life Styles der herbei-gemarketingten jungen und dynamischen Märkte. BAT will sich wohl auf neue Produkte konzentrieren und auf ein verändertes Kundenverhalten einstellen. Sicherlich spielen  aber  auch  die  vielen  neuen  gesetzgeberischen Anforderungen beim Verbraucherschutz eine Rolle, die bei der kommerziellen Betrachtung eine Rolle gespielt haben könnten. Aber  so  richtig  kennt  niemand  die  tatsächlichen Entscheidungsgünde der BAT.

PB: Wäre es denn nicht naheliegend gewesen, dass STG als aktuell letzter Hersteller der Dunhill-Tabake das Geschäft übernommen hätte?

JM: Ja, sicher, aber die zwei Giganten konnten sich vermutlich nicht über einen Preis einigen. Also: Dunhill Tobacco ade. Wobei zu beachten ist, dass die Markenrechte für Dunhill

Tabake nach wie vor bei der BAT liegen, aber eben derzeit nicht mehr vermarktet werden.

PB:  Jetzt ist  Hoffnung  aufgekommen  durch  den deutschen Tabakhersteller und Importeur Kohlhase & Kopp. Bringen die wirklich  die  „Fortsetzung  der  Legende“ und  hat  sie Marktchancen?

JM: Das Image von Dunhill war von jeher ein zwiegespaltenes. Es gab die 100prozentigen Liebhaber, die -wenn nicht die meisten, so zumindest aber 2-3 Tabake als ihre unerreichbaren Allzeit-Lieblinge verinnerlicht haben und jene, für die Dunhill lediglich ein falsch verstandener Nimbus war, der seine herausragende Position bei den ambitionierten Pfeifenrauchern auch durch nichts rechtfertigen konnte. In ihren Augen am wenigsten durch Qualität und Geschmack. Liest man sich die Reviews der letzten Jahre in den digitalen Medien durch, so kann man fast von einem Dunhill-Bashing reden, dem die überzeugte, unbeirrbare Front der Fans gegenüber stand. Tatsache aber bleibt, dass Dunhill Tabake mit ihrer wechselvollen Geschichte und ihren unterschiedlichen Produzenten bis in unsere Zeit der Inbegriff des Pfeifentabaks sind und dabei einem nostalgischen Environment gehuldigt haben, in dem sich die Dunhillianer wohlfühlten. Kohlhase & Kopp sind durchaus in der Lage, mit ihrer neuen Robert McConnell „Heritage“ Reihe die durch den BAT Rückzug entstandene Lücke zu schliessen. Zumal die Rechte an der gut eingeführten Marke Robert McConnell ohnehin bei Kohlhase & Kopp liegen. Und ja, ich kann mir sogar eine Belebung des Umsatzes für diese Tabake vorstellen, da viele Raucher neugierig auf die „Nachfolger“ sind und sicher den einen oder anderen Tabak wieder entdecken werden.

PB: Wir erinnern noch an die erst vor zwei Jahren aufgekommene Beliebtheit durch die wieder aufgelegten „Vintage Dunhills“, über die hier im Blog ausführlich berichtet wurde. Auch diese sind jetzt bereits Geschichte, Schnee von gestern. Was deckt die Heritage Reihe davon ab und wer stellt die Tabake überhaupt her, die dann unter der Marke Robert McConnell erscheinen?

JM: Lassen Sie es mich so sagen: alle 18 aufgegebenen Dunhill Tabake leben unter Robert McConnell weiter. Unter anderen Bezeichnungen, mit veränderten Etiketten, aber nahezu unveränderter Rezeptur. Denn der Hersteller ist wieder STG.

Natürlich werden die Mischungen nicht 100% den Dunhills entsprechen, da geht es vermutlich auch um Rechte an den Rezepturen. Einige Mischungen werden komplett von STG hergestellt, einige mischt Kohlhase & Kopp aus den STG Grundtabaken. Also können wir leichte Unterschiede erwarten, die aber sicherlich nicht signifikant sein werden.

Ausnahme sind die ehemaligen Dunhill DeLuxe Navy Rolls (aka Escudo), deren Marken- und Rezepturrechte nicht bei Dunhill, sondern stets bei STG lagen. Diese werden von STG völlig unverändert als „Eclipse“ erstellt, so wie auch der Nachfolger des Dunhill Flake, der jetzt einfach nur Flake heißt.

PB: Also bleibt es spannend, oder besser, es wird spannend. Denn in den nächsten Wochen testen wir die einzelnen Tabake im Detail und stellen sie im Blog vor. Ihnen, Herr Meyer, danken wir für die profunden Informationen.

Review-Plan

Bodo: Eclipse, Flake, City of London 

Peter: My  Mixture  Barking  Road,  Black  Flake,  Majesty Elizabeth, The Old Sign, Durbar Square 

Alexander: 5 Years Matured, Ready Rubbed

Legende

Sag beim Abschied 

Das Ende Teil 2 

Trauer & Gram 

Vintage Rallye 

Aus für McClelland 

Review: Baker Street

Review: Dark Flake

Review: Elizabethan

Review: Ye Olde Sign

Review: Durbar

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